Chris Schmetz: Resonanzkörper



Resonanzkörper, 2023

„Musik ist die Kurzschrift des Gefühls.“ (Leo Tolstoi)

Zu Beginn meiner aktiven Auseinandersetzung mit Musik waren mir theoretische Betrachtungen oder wissenschaftliche Konzepte egal. Mit 13 Jahren bekam ich meine erste Gitarre. Kurz darauf folgten eine eigene Band und der Traum von den großen Bühnen dieser Welt. Rund 30 Jahre später blicke ich auf eine Karriere mit zahlreichen unveröffentlichten Liedern, Kisten voller Songideen und drei Bühnenauftritten zurück. Während ein Teil meiner ehemaligen musikalischen Wegbegleiter heute noch auf den Bühnen zu finden ist, habe ich meine Liebe zur Musik eher privatisiert.

Musik ist aber noch immer ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Sie hilft mir Emotionen zu verarbeiten oder zu wecken. Gerade bei kreativen Prozessen höre ich bestimmte Lieder oft stundenlang in Dauerschleife. Diese Beschallung beruhigt mich und hilft mir, bestimmten Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Dies gilt vor allem für Textarbeiten. Gewissermaßen nutze ich die „Kurzschrift des Gefühls“ um das konkrete Gefühl in Worte zu gießen.

Während meiner Überlegungen zu dieser Ausstellung stieß ich auf eine soziologische Betrachtung des Begriffes Resonanz. In einem Interview sagte der Soziologe Hartmut Rosa: „Ich meine mit Resonanz eine Beziehung zur Welt, in der man einerseits offen ist, um sich berühren zu lassen, vielleicht ergreifen zu lassen, aber andererseits auch selber seine eigene Stimme entfalten kann und damit etwas oder jemanden erreichen kann in der Welt.“

Dieses Zitat fasst meine Beziehung zur Musik sehr gut zusammen. Oft beschreibe ich meinen Musikgeschmack als den eines Radiohörers. Damit verorte ich mich nicht als Pop-Bienchen. Vielmehr spiele ich damit auf die Vielseitigkeit der von mir gehörten Musik an. Neben einer gewissen Vorliebe für Gitarrenmusik finden auch viele andere Musikrichtungen den Weg in meine Ohren. Ob Soca, Pop, Rock, Klassik, Rap, Punk – jede Musik hat ihre Zeit und Emotion. Und somit ihre eigene Resonanz. In meiner Serie Resonanzkörper habe ich beobachtet, wie ich auf Musik reagiere und mein Hörempfinden reflektiere. Zunächst wollte ich Unterschiede zwischen verschiedenen Genres darstellen. Doch im Prozess habe ich entdeckt, dass in einem Song oft mehr unterschiedliche Emotionen und Ausdrücke stecken. So habe ich mich schlussendlich einfach auf starke Situationen konzentriert. Die Betrachtenden sind eingeladen, diesen Situationen nachzuspüren. Und wer genau hinschaut, mag vielleicht erkennen, dass der Traum vom Rampenlicht der großen Bühnen noch nicht ganz ausgeträumt ist.