










Alltagsleben
Irina kenne ich seit vielen Jahren. Wir wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft und teilen uns den Garten.
Sie lebt mit einer Krankheit, die ihre Mobilität und ihr Sehvermögen fortschreitend einschränkt. Trotzdem bleibt sie eine lebenslustige Frau, die ihr Leben – soweit es irgend geht – eigenständig meistert.
Ein solches Leben verlangt viel Kraft und ständige Aufmerksamkeit. Schon kleine Alltagsaufgaben müssen strategisch geplant werden und sind oft nur mit Unterstützung anderer zu bewältigen.
Als ich nach einer Operation selbst für einige Wochen auf einen Rollstuhl angewiesen war, erhielt ich einen kurzen Einblick in eine Welt voller Barrieren und Hürden. Plötzlich erschien mir meine vertraute Umgebung ganz fremd. Seit diesem Erlebnis lässt mich das Thema nicht mehr los.
Zur Vorbereitung dieser Ausstellung traf ich mich mit Irina zu einem langen Gespräch. Dabei erzählte sie mir von ihrem Leben, das sich in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und begrenzenden Kompromissen bewegt.
Schnell waren wir uns einig, dass die Fotos nicht nur ihre Problemen wiedergeben sollten, sondern auch ihre Möglichkeiten. Wie es Irina am Ende treffend formulierte: „Das Leben ist nicht nur ein Jammertal!“
Die entstandenen Bilder zeigen Irina in ihrem Zuhause und in der unmittelbaren Umgebung draußen. Sie haben mir noch einmal eindrücklich gezeigt, dass ihre Welt und meine Welt nicht immer dieselbe ist.
